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Geschrieben am 04.02.2014 in angebaut, gemischtes | 1 Kommentar

Elternzeitvertretung #2: Bienen in the City

Als mir vor einiger Zeit eine gute Freundin berichtete, dass sie nun in ihrem Garten Bienen hält, wurde ich ganz hellhörig. Sie wohnte zwar eher ländlich, doch trotzdem wunderte ich mich darüber, dass man einfach so einen Bienenstock bei sich zuhause aufstellen konnte. Und ich fragte mich auch, woher denn die Bienen kamen und ob sie sich selbst in dem aufgestellten Stock angesiedelt hatten. „Die sind geliehen, von einem Imker“, erklärte sie mir daraufhin.

Ryan_Wick(Flickr)Ich muss zugeben, bis dato selbst kein großer Bienenfreund gewesen zu sein. Nach unzähligen Stichen im Freibad oder beim Kaffeetrinken im Garten verscheuchte ich sie lieber, wenn sie mir zu nahe kamen. Seitdem ich in den Medien jedoch immer häufiger vom „Dramatischen Bienensterben“ gehört und mir bewusst gemacht hatte, was alles damit zusammenhing, sah ich bereits den Fortbestand der Menschheit gefährdet. Ganz so schlimm sei es nicht, beruhigten die Forscher und Bienenkenner. So sei die Biene zwar das drittwichtigste Nutztier, doch würden unsere Nutzpflanzen auch noch von genügend anderen Tieren bestäubt. Trotzdem habe der Rückgang der Wildbienen dramatische Folgen. Kein Wunder also, dass das Thema zunehmend in den Fokus rückt und sich immer mehr Leute damit beschäftigen.

Monokulturen und Milben – Feinde der Biene

Vor allem die moderne Landwirtschaft macht den Bienen zu schaffen: Immer größer werdende Monokulturen bieten den Nutztieren immer weniger Nahrung. Blüten sind rar und werden schlagartig abgeerntet und auch die eingesetzten Pestizide setzen den Bienen zu. Nicht zu vergessen: die sich immer weiter ausbreitende Varroa-Milbe, der Biene größter Feind! Eine Flucht der kleinen Tierchen in die Innenstädte ist daher nur logisch und sinnvoll. Hier finden sie ein riesiges Angebot an Blüten, prall gefüllt mit Nektar – und das fast das ganze Jahr über. Kleingärten und Balkone werden regelmäßig mit Blühpflanzen bestückt, Verkehrsinseln wuchern bunt vor sich hin und auf Brachflächen entstehen kleine Naturparks, die den Bienen einen neuen Unterschlupf gewähren. Für Bienen wird die Stadt so zu einem interessanteren Ort als das dröge Land vor den Toren. Auch die Imkerei in die Stadt zu verlagern, ist somit nur logische Konsequenz. .

My beautiful picture„Urban Beekeeping“, wie das Stadtimkern auf Neudeutsch auch genannt wird, liegt im Trend: Galt die Biene etwa in New York bis vor Kurzem noch als gefährliches, angriffslustiges Tier, ist die Bienenhaltung dort mittlerweile offiziell erlaubt. Und so siedeln sich die Stadtbienen auf den begrünten Dachterrassen der Hochhäuser an und kehren zurück in die Metropole. Auch bei uns in Deutschland ist imkern in der Stadt erlaubt. Man benötigt allerdings eine Bescheinigung des zuständigen Verterinäramtes, das die Seuchengefahr klärt.

Für mehr Toleranz den schwarz-gelben Brummern gegenüber wirbt auch die Initiative „Deutschland summt“, die 2010 von der „Stiftung für Mensch und Umwelt“ ins Leben gerufen wurde. Diese stellte zum Beispiel im Frühjahr 2011 unter dem Motto „Honig von prominenten Dächern der Hauptstadt” auf zwölf repräsentativen Gebäuden, darunter Berliner Dom und Abgeordnetenhaus, Bienenstöcke auf. Nach dem großen Zuspruch der Hauptstädter folgten weitere offizielle Standorte in Frankfurt und München. Den Aktivisten geht es dabei jedoch nicht in erster Linie darum, Honig zu ernten, sondern den Bienen ein funktionierendes Ökosystem zur Verfügung zu stellen. „Wir wertschätzen und anerkennen die große Bedeutung der Bienen für unsere Stadt und die gesamte Gesellschaft“, heißt es auf der Homepage.

Bienen halten, aber richtig

Grundsätzlich wird beim Imkern in der Stadt der Ansatz der „wesensgemäßen Bienenhaltung“ verfolgt. Das bedeutet, dass es keine Imkerei nach festen Vorschriften ist, sondern die Bienenhaltung einem undogmatischen Leitbild folgt. Der Lebensraum der Tiere steht ganz klar im Vordergrund, nicht der Nutzen für den Menschen. Natürlich fällt auch hierbei für die Imker Honig ab, allerdings behalten die summenden Freunde immer genug, um sich selbst ernähren zu können. So benötigt der Bienenstock keine große Pflege. Die Bewohner werden mehr oder weniger sich selbst überlassen – man schaut einfach hin und wieder nach dem Rechten. Denn faszinierend ist es allemal, den kleinen Tierchen dabei zuzusehen, wie sie ihren Staat organisieren und umherwimmeln. Völlig ahnungslos sollte man natürlich trotzdem nicht an die Sache herangehen. Wie auch bei anderen Tiere übernimmt man mit einem Bienenvolk eine große Verantwortung.

SAMSUNG DIGITAL CAMERAInformationen zur richtigen Bienenhaltung geben Imkervereine. So auch der Verein „2010 Königinnen für das Ruhrgebiet“: „Wir wollen die Bienenhaltung und Bienenpflege auch künftig weiterentwickeln und verbreiten, da wir überzeugt sind, dass Honigbienen für uns Menschen von unschätzbarem Wert sind“, erklärt Dirk-Hinrich Otto, 1. Vorsitzender des Vereins. Mit Sorge betrachtet er bereits seit einigen Jahren das nachlassende Interesse an der Bienenhaltung und den fortschreitenden Rückgang der Imkerschaft. „Das liegt zum einen an der Überalterung der Imkerschaft, zum anderen an den wachsenden Problemen der Bienenhaltung“, so Otto. Den Ausruf zur Kulturhauptstadt Ruhrgebiet 2010 nahm sich der Essener Verein daher zum Anlass, die Idee der städtischen Bienenhaltung in der Öffentlichkeit stärker bekannt zu machen. „Aus langjährigen persönlichen Erfahrungen heraus setzen wir seither die Bienenpflege als Methode ein, die einfach und wenig zeitaufwändig ist und so besonders geeignet für die breite Bevölkerung in unserem urbanen Ballungsgebiet.“ Auf einer eigenen Homepage haben Otto und seine Vereinskollegen eine Reihe wichtiger Informationen zusammengetragen. Bei Fragen stehen sie zudem bei diversen Veranstaltungen regelmäßig persönlich Rede und Antwort. Auch in anderen Regionen gibt es zahlreiche Bienenhalter-Vereine, die sich via Internet schnell ausfindig machen lassen.

Selber Imker werden

Einen relativ einfachen Weg, selbst mit dem Imkern zu beginnen, bietet zum Beispiel „Die Bienenkiste“, ein Projekt des gemeinnützigen Vereins Mellifera e.V. Die Idee stammt von Thomas Radetzki und Erhard Maria Klein, die über „Die Bienenkiste“ sagen: „Die Konstruktion kommt dem natürlichen Verhalten der Bienen entgegen, daher ist sie besonders pflegeleicht.“ Alles, was man benötigt, ist eine Holzkiste – etwas einen Meter lang, einen halben Meter breit und zwanzig Zentimeter hoch -, die praktisch überall aufgestellt werden kann. Diese simple Konstruktion lässt sich einfach nachbauen. Eine entsprechende Bauanleitung gibt es unter www.bienenkiste.de. Darüber hinaus finden sich dort die wichtigsten Informationen zum passenden Umfeld, dem richtigen Aufstellen der Kiste und vieles mehr. Auch Bienenvölker, die die Kiste bewohnen sollen, kann man sich vermitteln lassen. Hierzu dient etwa die „Schwarmbörse“ (www.schwarmboerse.de) oder man wendet sich an örtliche Imkervereine. Wer es soweit geschafft hat, muss nur noch hoffen, dass der Schwarm nicht weiterzieht, sondern sich einnistet und beginnt, seine Waben zu bauen.

Anna Pawlicki(1)Ein ähnlich einfaches Modell kommt von Johannes Weber. Er hat die „Balkonbeute“ entwickelt und macht sie über sein Projekt „Balkonbienen“ bekannt. Hierbei bietet man den Bienen die Möglichkeit, auf dem Balkon zu nisten. Der Holzkasten (die „Beute“) wird mit entsprechenden Halterungen am Balkonrand befestigt. Ein idealer Start- und Landeplatz! Da Bienen sehr zielgerichtet zu ihrem Bau fliegen, verirren sie sich nur selten in die umliegenden Wohnungen. Etwaiger Widerstand aus der Nachbarschaft lässt sich also mit guten Argumenten entkräften. Auch Johannes handelt mit seiner Balkonbeute nach dem Ansatz der wesensgemäßen Bienenhaltung: „Es wird versucht, die Bienen so zu halten, dass es ihren natürlichen Lebensbedingungen möglichst weitgehend entspricht. Die Bienen organisieren ihr Leben vollkommen selbständig. Sie treffen alle notwendigen Entscheidungen, bauen ihr Wabenwerk, sammeln Vorräte für den Winter, vermehren sich über den Schwarmtrieb usw.“. Honig wirft die Balkonbeute trotzdem ab und der schmeckt auch aus der Stadtimkerei: „Die Qualität von Honig aus dem Stadtgebiet ist durchaus mit der Qualität von Landhonig gleichzusetzen. Bemerkbar macht sich die Stadthaltung im Geschmack. Zwar werden in Berlin oder New York auch relativ sortenreine Lindenblüten- oder Akazienhonige gewonnen, sie tragen aber oft auch eine exotische Note: Begonie, Petunie oder Schmetterlingsbaum.“ Eine Bauanleitung sowie viele nützliche Tipps rund um das Thema Balkon-Imkern gibt’s unter www.balkonbienen.de

Einen Balkon habe ich zwar nicht, und auch nur einen Gemeinschaftsgarten – trotzdem fasziniert mich das Thema Bienen sehr. In Zukunft werde ich also die Lippen zusammenkneifen, wenn ich mal wieder von einem dieser summenden Wesen umschwärmt werde und ruhig abwarten, bis es wieder fortgeflogen ist. Denn mir ist inzwischen klar, was mir eine kleine, freche, schlaue Biene namens Maja schon vor Jahren vermitteln wollte: Bienen sind unsere Freunde.

http://www.balkonbienen.de
http://www.bienenkiste.de
http://www.deutschland-summt.de
http://www.2010koeniginnen.de

Was Christian von Eigenwerk, dem Magazin für Macher, sonst so treibt, schaut und lest Ihr am besten gleich selbst!

Text:
Christian Geppert
Fotos:
1. Ryan_Wick(Flickr)
2. www.bienenkiste.de
3. metaphoricalplatypus(Flickr)
4. Anna Pawlicki

1 Kommentar

  1. Ich freue mich, dass mein Artikel aus dem Eigenwerk-Magazin #10 den Weg auf deinen tollen Blog geschafft hat! Vielen Dank und eine tolle Babypause!

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